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O’Fahey, Es geht um die Profite aus den Ölexporten (Jan 2005)

O’Fahey, Rex Sean. "Es geht um die Profite aus den Ölexporten." Jungle World 4 (26 Jan 2005).

Obwohl Anfang Januar ein Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Zentralregierung und der größten Rebellengruppe aus dem Süden des Landes unterzeichnet wurde, geht der Bürgerkrieg in der westlichen Provinz Darfur unvermindert weiter. In den europäischen Medien wird der Bürgerkrieg als ein archaischer, ethnisch motivierter Konflikt zwischen Stämmen dargestellt und die wesentlichen Gründe des Krieges werden verschwiegen.

Professor Rex Sean O’Fahey ist der Autor zahlreicher Bücher über den Sudan. Er unterrichtet afrikanische Geschichte an der Universität Bergen in Norwegen und hat lange in Darfur gelebt. Mit ihm sprach Matthias Becker.

Sie kritisieren die Darstellung des Konflikts in Darfur in den westlichen Medien.

Es ist zumindest missverständlich, im Bezug auf Darfur von einem Konflikt zwischen Arabern und Schwarzafrikanern zu reden. Die ethnische und politische Realität im Sudan ist viel komplexer. Natürlich kämpfen heute Angehörige der Vieh züchtenden Nomadenstämme gegen sesshafte Bauern. Aber es war traditionell möglich, von der einen Gruppe in die andere zu wechseln. Ein erfolgreicher Bauer konnte damals in Kamele investieren, nach einiger Zeit hatte er eine vollwertige arabische Identität erlangt. Es gab viele Mischehen zwischen Bauern und Nomaden, es gab traditionelle Strukturen der Konfliktlösung. Die rassistische und mörderische Dynamik, die wir jetzt erleben müssen, ist neu. Ich nenne das die Politisierung der Ethnie.

Goderioux, Es ist ein Krieg gegen Zivilisten (2004)

Goderioux, Benedicte. "Es ist ein Krieg gegen Zivilisten." Jungle World 33 (04 Aug 2004).

benedicte goderiaux, Mitarbeiterin von Amnesty International, besuchte Flüchtlingslager in Darfur und im Osten des Tschad. Sie ist Mitautorin des im Juli in Beirut vorgestellten Berichts.

Welchen Eindruck haben Sie in den Flüchtlingslagern gewonnen?

Als wir im November 2003 den Osten des Tschad besuchten, waren zehntausende sudanesische Flüchtlinge in einer verzweifelten Lage. Sie liefen immer noch Gefahr, das Ziel von Attacken zu werden, lebten unter einigen Zweigen und an der Grenze der Erschöpfung, da es keinerlei Versorgung gab. In den Camps des UNHCR, die wir im Mai dieses Jahres besuchten, sah es besser aus: Die Menschen fühlten sich sicherer, auch weil sie 50 Kilometer von der Grenze entfernt untergebracht waren. Doch in den Lagern fehlt es immer noch an Wasser, und die Flüchtlinge sehen der Regenzeit und den Krankheiten, die sie mit sich bringt, mit Sorge entgegen.

Schmidinger, Islamismus und Militärherrschaft im Sudan (2004)

Schmidinger, Thomas. "Islamismus und Militärherrschaft im Sudan." Risse im Context XXI 6-7 (2004).

Nirgendwo zeigt sich zurzeit deutlicher der Bankrott des realexistierenden Islamismus als im Sudan. Nach 15 Jahren islamistischer Militärdiktatur haben die ideologischen Nachkommen der Muslim-Brüder das Land an den Abgrund geführt.

Die sudanesische Organisation der von Ägypten ausgegangenen international agierenden Muslim-Brüder, al-Ikhwan al-Muslimun, entstand in den Vierzigerjahren aus einem Zusammenschluss mehrerer islamistischer Kleinstgruppen. Zwar besuchte bereits 1945 eine Delegation des Zentrums der Muslim-Bruderschaft aus Ägypten (1) die "Dreistadt" (Khartoum, Omdurman und Bahri/Khartoum-Nord) um dort ihre Ideen zu erläutern und zu bewerben. Eine erste Zelle einer realen Erweiterung der Muslim-Bruderschaft in den Sudan entstand aber erst 1949 als einer dieser Pioniere der Muslim-Bruderschaft von der Zentrale in Ägypten zum Generaldirektor für den Sudan ernannt wurde. (2)

von der Osten-Sacken, Blinde Solidarität (2004)

von der Osten-Sacken, Thomas. "Blinde Solidarität." Risse im Context XXI 6-7 (2004).

Die Reaktion der Arabischen Liga auf die Massenmorde sudanesischer Milizen in Darfur ist von ideologischer Starrheit geprägt. Nur vereinzelt regt sich Widerstand gegen die vorherrschende Suche nach den Ursachen.

Jede Krise in einem arabischen Land, die dann in der Regel, wenn nicht in Krieg, so doch in Bürgerkrieg oder Massakern größeren Ausmaßes zu eskalieren pflegt, lässt den Ruf nach stärkerem Engagement der Arabischen Liga laut werden. Ob im libanesischen oder jemenitischen Bürgerkrieg, nach dem Einfall Saddam Husseins in Kuwait, immer dann, wenn so genannte "innerarabische Probleme" eskalieren, bringen Medien und Politiker die Liga ins Gespräch, ganz so als hätte diese Einrichtung seit ihrer Gründung auch nur einen Konflikt lösen können.

Als die Massenmorde sudanesischer Milizen in Darfur mit reichlich Verspätung in den USA und Europa thematisiert wurden und einige halbherzige Interventionsdrohungen gegen das Regime in Khartoum zur Folge hatten, reagierte, was hierzulande gerne "arabische Öffentlichkeit" genannt wird, also die größtenteils aus staatlichen oder halbstaatlichen Medien bestehende veröffentlichte Meinung, wie sie dies seit Jahrzehnten tut: Nicht der Westen, dessen Motivation bekanntermaßen eine imperialistische sei, sondern die arabischen Staaten müssten sich der Krise, so eine überhaupt bestehe, annehmen und sie lösen. Dafür schließlich gäbe es auch die Arabische Liga.

Schmidinger, Zuschauen beim Massenmorden (2004)

Schmidinger, Thomas. "Zuschauen beim Massenmorden." Risse im Context XXI 6-7 (2004).

Seit Beginn dieses Jahres hat sich der Krieg im Westen des Sudan zu einer systematischen Vertreibung und Ermordung der lokalen Bevölkerung ausgeweitet. Die internationale Öffentlichkeit beschränkt sich dabei bisher auf substanzlose Ankündigungspolitik während die Linke schweigt oder bereits vor möglichen Interventionen warnt.

Von Thomas Schmidinger

In der westsudanesischen Region Darfur findet für Jan Egeland, den UN-Nothilfekoordinator für den Sudan das schlimmste humanitäre Drama der Welt statt. Bereits am 23. April erklärte er, dieses spiele sich weder im Irak noch in den palästinensischen Territorien, sondern in Darfur ab.

Tatsächlich hat sich in Darfur, wo seit einigen Monaten neben der Sudan Liberation Army/Movement (SLA/M) mit dem Sudan Justice and Equality Movement (JEM) noch eine zweite Guerillabewegung aktiv ist, die Lage seit Anfang 2004 dramatisch zugespitzt. Insbesondere die bäuerliche Bevölkerung der Fur und der Zaghawah wurde seit Herbst 2003 Opfer systematischer Vertreibungen und Massaker. Ganze Dörfer werden von regierungsnahen arabischen Janjawid-Milizen ausgelöscht. Im September wurden sogar erstmals Berichte veröffentlicht, die vom Einsatz chemischer Waffen durch syrische Sondereinheiten sprachen. Die Tageszeitung Die Welt berichtete mit Berufung auf nicht näher genannte westliche Geheimdienste, dass syrische Offiziere im Mai in einem Vorort von Khartum mit Vertretern der sudanesischen Armee zusammengetroffen wären, um über die Ausweitung einer militärischen Zusammenarbeit zu beraten. Die syrische Delegation habe dem Sudan eine engere Kooperation auf dem Gebiet der chemischen Kriegsführung angeboten.

Hamid, Am Rande des Lebens (Dec 2004)

Hamid, Ishraga Mustafa. "Am Rande des Lebens." an.schläge 12 (Dec 2004).

Im Sudan kämpfen Frauen tagtäglich für sich und ihre Kinder ums nackte Überleben. Über die traumatisierte Situation intervertriebener Flüchtlingsfrauen berichtet Ishraga Mustafa Hamid

Im Sudan kämpfen verschiedene Gruppierungen für die Gleichberechtigung aller Sudanesen, unabhängig von ihrer Volkszugehörigkeit, Religion und politischen Ausrichtung - die Kategorie Geschlecht wird dabei bis zum heutigen Tag übersehen. Die Ursachen dieses Krieges liegen in der ungerechten Ressourcenverteilung zwischen den vielfältigen Volksgruppen bzw. Kulturen, Identitäten und Religionen. Der Sudan gilt mit der Vielfalt seiner Ethnien als für Afrika repräsentativ. Repräsentativ ist er auch hinsichtlich ungleicher Verteilung von Macht und Ressourcen.

"Westliche" Kriegsbilder. Die Vorstellung "westlicher" Länder, wonach religiöse Spannungen für den Krieg im Sudan verantwortlich seien, entspricht nicht der historischen Realität. Die viel zitierte Spaltung in einen muslimisch-arabischen "Norden" und einen christlich-afrikanischen "Süden" wurde sowohl vom Westen als auch von der jetzigen Regierung sehr stark gefördert. Diese Polarisierung negiert die gesellschaftliche Vielfalt. So sind die im Nordsudan lebenden NubierInnen zwar MuslimInnen, jedoch keine AraberInnen. Auch die im Westsudan lebenden Nuba, Four und Masaleet werden als Nordsudanesen identifiziert.

Arend, Muslimisches Utopia: Tajjib Salich im Gespräch (2002)

Arend, Ingo. "Muslimisches Utopia: Tajjib Salich im Gespräch." Freitag (19 April 2002).

IM GESPRäCH*Der sudanesische Schriftsteller Tajjib Salich über den Nord-Süd-Konflikt, die letzte Supermacht USA und die Demokratie im Sudan

Tajjib Salich wurde 1929 im Norden des Sudan geboren. Nach dem Studium in Khartum ging er 1953 nach London, wo er für das internationale Programm der BBC arbeitete. Ab 1974 war er als Abteilungschef am Informationsministerium im Golfscheichtum Katar tätig, danach als Berater der Unesco. Weltweite Berühmtheit erlangte Tajjib Salich mit seinem ersten Roman Zeit der Nordwanderung, der seit seinem Erscheinen in der arabischen Originalausgabe 1969 zum Kultbuch einer ganzen Generation von Intellektuellen geworden ist. Salichs Bücher wurden in 20 Sprachen übersetzt. Auf Deutsch erschienen im Baseler Lenos-Verlag außerdem Eine Handvoll Datteln und der Roman Bandarschah. Tajjib Salich lebt in London.

Higgins, Documentary in an Age of Terror (2005)

Higgins, Lynn A. "Documentary in an Age of Terror." South Central Review 22.2 (2005). 20-38.

Lynn A. Higgins
Dartmouth College

The past few years have seen a renaissance of the documentary. Documentaries are not perhaps more numerous than in the past, but they are indisputably more in the news. In fact, they are news. Recent examples, both American-made and foreign, are being reviewed by local newspapers, holding their own in multiplexes across the country, winning festival awards, and igniting controversies. The most notorious of these is, of course, Michael Moore's Fahrenheit 9/11, winner ofthe Palme d'or at the 2004 Cannes Film Festival, only the second documentary in the Festival's 57-year history to be awarded the coveted top prize.2 Various attempts to block the film's distribution in American theaters helped Fahrenheit 9/11 become the largest-grossing documentary ever—the first to top $100 million—surpassing the previous record holder (Moore's own 2002 Bowling for Columbine) by 600 percent.3 The film unleashed a flood of response, including another documentary, Fahrenhype 911: Unraveling the Truth about Fahrenheit 9/11 and Michael Moore (2004, directed by Alan Peterson), and Moore's own best-selling spin-off book, The Official Fahrenheit 9/11 Reader.

Weitin, Testimony and the Rhetoric of Persuasion (2004)

Weitin, Thomas. "Testimony and the Rhetoric of Persuasion." Transl. Kirk Allen Wetters. MLN 119.3 (2004). 525-540.

Thomas Weitin
Humboldt-Universität zu Berlin

1. Witnessing and the Force of Law

The concept of the witness is one of those legal terms that have a supposedly secure and culturally shaped pre-comprehension within everyday language. We know, for example, that anyone who witnesses anything and testifies to it (thereby fulfilling the function of witness) also takes on the obligation to tell the truth. The truth and nothing but the truth—The formula of this oath, meant to enforce the demand of truth, is familiar from courtroom-dramas. It is not necessary to be a jurist to know that deliberately making false statements under oath is punishable. And even non-religious people can make sense of the eighth Commandment: Thou shalt not bear false witness against thy neighbor.

If we allow ourselves to be detained for a moment, however, by this example and read the biblical account of Moses' testimony more carefully, then the apparently simple situation quickly becomes more complicated. Divine law is announced to Moses (so the story goes) for the people of Israel; they are forbidden under penalty of death to climb Mount Sinai and view the Lord descending amidst thunder and lightning. God speaks to Moses alone: "And the Lord spoke to Moses, 'Lo, I am coming to you in a thick cloud, that the people will hear when I speak with you, and may also believe you for ever."1 Moses is God's direct witness, but his credibility as law-giver is founded by the [End Page 525] community's witnessing, which can only be indirect. The community, kept at a distance from the mountain, attests to the powerful apparition of the annunciation but not to its content. They attest precisely—to use Derrida's words—to the mystical foundation of authority: "Now when all the people perceived the thunderings and the lightnings and the sound of the trumpet and the mountain smoking, the people were afraid and trembled; and they stood afar off, and said to Moses, 'You speak to us, and we will hear; but let not God speak to us, lest we die'."2 Though the passage is in need of a complete theological explication, the following may at least be observed: Those who are named as witnesses are witnesses by hearsay, or better, witnesses of hearsay. They cannot attest to what was announced to Moses but only that it was announced—that he (unlike them) was privy to the force of law-making power. From their common distance to Moses' proximity, a unanimity of belief in the law emerges, and in the one who serves as its proxy. "The entire people" become witnesses to a powerful scene of persuasion, which introduces as its consequence the very possibility that the eighth Commandment—enjoining to truthful testimony—can itself be established and followed. The codification of witnessing in the sense of its truthfulness is thus accompanied and preceded by the act of persuasion.

Mills, Agamben on Witnessing

Mills, Catherine. "An Ethics of Bare Life: Agamben on Witnessing." borderlands e-journal 2.1 (2003).

Giorgio Agamben, Remnants of Auschwitz: The Witness and the Archive, trans. Daniel Heller-Roazen, Zone Books: New York, 1999.

Catherine Mills
Australian National University

1. Giorgio Agamben’s recently translated volumes of the Homo Sacer series offer extremely provocative considerations of Western politics and ethics. In the first volume, entitled Homo Sacer, Agamben develops a political analysis of the contemporary biopolitical conditions of existence, whereas in its companion volume, Remnants of Auschwitz, he develops an account of ethical response to biopolitical subjection. While he argues in Homo Sacer that the concentration camp operates as ‘the nomos of the earth’, the biopolitical space par excellence, in Remnants, Agamben takes the condition of the camps as his starting point for a reconsideration of ethics in light of the political determination of life worth living. In doing so, he argues for a conception of ethics as bearing witness to the absolute separation of human life from inhuman survival that biopower aims at.

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